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Historie des Deutschen Roten Kreuzes in Bremerhaven

Henry Dunant

Die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes beginnt 1859 in der Lombardei mit der Schlacht von Solferino. Bestürzt vom Leid der mehr als 40.000 Verwundeten und Schwerstverletzten, unterstützte der unbeteiligte Kaufmann Henry Dunant die völlig überforderten und unterbesetzten Militärärzte. Eindringlich forderte er die Einwohner der Region auf, sich um die hilflosen Soldaten zu kümmern. Gemeinsam mit einigen Frauen aus Castiglione versuchte er die große Not der hilflos Verwundeten wenigstens teilweise zu lindern. Sie wechselten Verbände und sorgten für Essen und Trinken, soweit Vorräte verfügbar waren. In seinem Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ schilderte er mit eindringlichen und leidenschaftlichen Worten das Leid der verletzten Soldaten:

„Das Gefühl, so außerordentlichen und schwerwiegenden Verhältnissen nahezu hilflos gegenüberzustehen, bedeutet eine unnennbare Qual. Es ist wirklich peinvoll, denjenigen, die man unter den Händen hat, keine Linderung verschaffen zu können und nicht imstande zu sein, zu denen zu gehen, die bittend nach einem rufen.“ (Dunant 2012, S. 88) Diese erschütternden Szenen ließen Henry Dunant nicht mehr los. Und er stellte die entscheidende Frage, ob es nicht möglich sei, eine Hilfsorganisation zu gründen, deren Ziel es sein müsste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte, aufopfernde Freiwillige pflegen zu lassen. (ebenda, S. 143) 1863 war es dann soweit. Mit vier gleichgesinnten Bürgern bildete er am 17. Februar 1863 das „Komitee der 5“, was als die Geburtsstunde des „Internationalen Komitees vom Roten Kreuz“ zählt. Noch im Oktober wurde ein Kongress von Sachverständigen aus 16 Staaten einberufen mit dem Ziel, Hilfsgesellschaft zu gründen und diese unter Regierungsschutz zu setzen. Das Komitee setzte sich außerdem dafür ein, dass sich die Sanitätsdienste bei bewaffneten Konflikten neutral verhielten. Im August 1864 unterzeichneten 12 europäische Staaten in Genf die erste Genfer Konvention.

Die Idee fiel auch in zahlreichen deutschen Ländern wie Baden, Hessen, Preußen, Sachsen und Württemberg auf fruchtbaren Boden. In Preußen bildeten sich lokale Vereine als Vorläufer des Deutschen Roten Kreuzes wie den Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger. Die Mitglieder widmeten sich der Versorgung der im Krieg verwundeten Soldaten und übernahmen in Friedenszeiten die Aufgabe, Leute in Erster Hilfe auszubilden. Im Stadtkreis Geestemünde sowie in Lehe gab es einen Zweigverein des Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kriegskrankenpflege Männern vorbehalten. Der Deutsche Frauenverein zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Kriege, kurz Vaterländischer Frauenverein (VFV) wurde 1866 von der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin Augusta gegründet. 1887 war das Geburtsjahr für die Rotkreuz-Organisation in unserer Region. Urkunden bestätigen am 1. April die Gründung des VFV zu Lehe, am 3. Juni die Gründung des VFV für Geestemünde und Umgebung sowie am 18. November die Gründung des VFV zu Bremerhaven. Zu den Aufgaben der Vaterländischen Frauenvereine gehörten karitative Aufgeben wie die Volksküche, Hauspflege, Säuglingsfürsorge und Kriegsvorbereitung. Das Hauptaugenmerk lag auf der Ausbildung von Pflegerinnen und der Gründung von Schwesternschaften.

Außerdem gab es die so genannten Sanitätskolonnen. Nur wer Mitglied eines dem Deutschen Kriegerbund angehörenden Vereins war, konnte Mitglied werden. Sie waren eine freiwillige organisierte Gruppe, deren Mitglieder in Kriegs- und Friedenszeiten Ersthelferdienst leisten konnten. Um 1900 boomte die Neugründung der Organisation, es gab mehr als 900 deutsche Sanitätskolonnen mit über 14.000 Mitgliedern, von denen rund 11.500 bei der Mobilmachung für die freiwillige Krankenpflege verfügbar waren. Auch in der preußischen Provinz Hannover wurde am 12. Januar 1906 die Sanitätskolonne Lehe gegründet. Im Juli wurden 5 Krankenwagen und 5 Verbandskästen beim Magistrat beantragt und auch genehmigt. Ein Jahr später gehörten schon 32 voll ausgebildete „Samariter“ zur Gruppe. In Kriegszeiten unterstützten sie das Rote Kreuz als Begleit- und Transportpersonal bei Kranken- und Lazarettzügen und wurden nur in besonderen Notfällen zur Verstärkung der Sanitätskompanien auf dem Schlachtfeld eingesetzt. In Friedenszeiten bewährten sich die freiwilligen Helfer besonders bei Feuersbrünsten und Überschwemmungen, Seuchen und Epidemien sowie bei Unfällen aller Art. Abgesehen vom Transport der Verletzten konnten sie dank ihrer Ausbildung auch Notverbände anlegen. Aber auch bei Festlichkeiten war die Sanitätskolonne präsent, zum Beispiel regelmäßig bei dem Pferde- und Radrennen in Speckenbüttel oder beim Gauturnfest in Speckenbüttel am 10. Juni 1907.

1924 wurden die Städte Lehe und Geestemünde zu der Stadt Wesermünde vereinigt. Die Sanitätskolonnen und Vaterländischen Frauenvereine arbeiteten zusammen im Kreisverband vom Roten Kreuz für den Stadtkreis Wesermünde. Es gab die Sanitätskolonnen Wesermünde-Lehe, Wesermünde-Mitte und Wesermünde Geestemünde. Außerdem die Helferinnen-Abteilung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz in Lehe, Mitte und Geestemünde.

Die Geschichte der eigenständigen Frauenvereine und sonstiger Verbände endete mit dem DRK-Gesetz vom 9. Dezember 1937. Alle Untergliederungen des Deutschen Roten Kreuzes wurden zu einer Einheit „Deutsches Rotes Kreuz“ zusammengeschlossen. Aufgrund dessen wurde die bestehenden Rot-Kreuz-Organisationen durch die Besatzungsmächte im September 1945 aufgelöst.

Die Militärregierung erkannte allerdings, dass großer Bedarf an ausgebildeten Helfern bestand und sie „das Deutsche Rote Kreuz für die vielen Aufgaben dringend brauche und mit der vollen Autorität hinter ihm stehen würde“ (Schreiben des Rechtsanwalts Felgenhauer an Stadtinspektor Kühne, 12. November 1945). „Auf Befehl der Militärregierung ist das Deutsche Rote Kreuz für den Stadtkreis und Landkreis Wesermünde wieder aufzubauen.“ Als Aufgaben für das Rote Kreuz wurden genannt:

  • Ausbildung bei der ersten Hilfe
  • Dienst in Krankenhäusern
  • Betreuung von Bedürftigen

(Schreiben RA Felgenhauer vom 19. November).

Für den Neuaufbau zeichneten verantwortlich: RA und Notar Ludwig Felgenhauer, Stadtinspektor Kühne, Dr. med. Ernst Neveln, Herr Fritz Stünkel.

Und so wurde der 27. Juli 1947 die Geburtsstunde des DRK-Kreisverbands Bremerhaven als eingetragener Verein, zugehörig zum Landesverband Bremen. Aus den ehemaligen Sanitätskolonnen wurden die Bereitschaften Lehe, Mitte und Geestemünde außerdem wurden noch die Bereitschaften Leherheide und am 15. Juni 1948 die neue Bereitschaft Surheide gegründet. Entsprechend den fünf männlichen Bereitschaften wurden auch fünf weibliche Bereitschaften aufgestellt. Der erste Vorsitzende war Johannes Fehrmann.

Die richtungsweisende Satzung des noch jungen Kreisverbands Bremerhaven besteht, abgesehen von leichten modernen Anpassungen, auch heute noch. Damals wie heute zählen: (Vergleich mit Satzung von 1999)

  1. Hilfeleistungen bei außerordentlichen Notständen
  2. Beteiligung am allgemeinen Rettungs- und Hilfedienst und verwandten Aufgaben (Sanitätsbereitschaftswesen)
  3. Beteiligungen an Maßnahmen zur Hebung der Volksgesundheit, Bekämpfung von Seuchen und Volkskrankheiten
  4. Beteiligung an Aufgaben der allgemeinen Wohlfahrtspflege
  5. Ergänzung der behördlichen Fürsorge für Versehrte und Kriegshinterbliebene, für Kriegsopfer und aus ihrem Wohnsitz Vertriebene und andere infolge der allgemeinen Verhältnisse Verarmte und Notleidende.
  6. Werbung von Mitgliedern, sowie einheitliche Ausbildung und Ausrüstung männlicher und weiblicher Pflege- und Hilfskräfte des Roten Kreuzes.
  7. Förderung und Unterstützung der Schwesternschaften
  8. Errichtung und Förderung von Einrichtungen, die den Aufgaben des Roten Kreuzes dienen.
  9. Beschaffung von Mitteln zur Erfüllung der Aufgaben des DRK.

In der Satzung von 1950 wird noch der Passus mit dem Jugendrotkreuz hinzugefügt.

Satzungsgemäße Aufgaben sind derzeit noch

  1. Verbreitung der Kenntnis des Humanitären Völkerrechts, sowie der Grundsätze und Ideale der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung
  2. Hilfe für die Opfer von bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen und anderen Notsituationen
  3. Verhütung und Linderung menschlicher Leiden, die sich aus Krankheit, Verletzung, Behinderung oder Benachteiligung ergeben, Förderung der Gesundheit, der Wohlfahrt und der Jugend
  4. Krankenpflege
  5. Sanitätsdienst
  6. Blutspendedienst
  7. Ausbildung der Bevölkerung in Erster Hilfe
  8. Rettungsdienst- und Krankentransport
  9. Mitwirkung im Katastrophenschutz
  10. Mitwirkung im Natur und Umweltschutz
  11. Sozialarbeit, vor allem für Kinder, Jugendliche, Familien – unter Einschluss der Alleinerziehenden, alte Menschen, Kranke und Behinderte sowie andere Benachteiligte
  12. Förderung der Entwicklung nationaler Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften

Seit der Neugründung des Roten Kreuzes als Verein gab es sieben Vorsitzende: Den Vorsitz zur Vereinsgründung übernahm der Bremerhavener Politiker Johannes Fehrmann (1947-1950), dann folgten die ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Bremerhaven Hermann Gullasch (1951-1957), Bodo Selge (1958-1982), Werner Lenz (1983-1985), Karl Wilms (1986-2001) und Jörg Schulz (2002-2006). 2007 übernimmt Henner Naumann das Amt.

Quellen:
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. Juli 2017
Dunant, Henry: Eine Erinnerung an Solferino. Herausgegeben vom Schweizerischen Roten Kreuz. 5. Auflage 2012.
75 Jahre Deutsches Rotes Kreuz Bremerhaven. Herausgegeben vom DRK-Kreisverband Bremerhaven e. V. Redaktion Horst Hanebut.
Brinckmann, Andrea: Beständig im Wandel. Die Geschichte des Roten Kreuzes in Hamburg. Bremen 2014.

Foto: DRK

Die Historie als Zeitleiste

Hier können Sie sich über die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von den Anfängen bis in die Gegenwart informieren. Die dabei hervorgehobenen Daten beziehen sich auf Ereignisse im heutigen Bremerhavener Stadtgebiet. 

17. Februar 1863Geburtsstunde des heutigen "Internationalen Komitees vom Roten Kreuz"
12. November 1863Gründung der ersten deutschen nationalen Rotkreuzgesellschaft, dem “Württembergischen Sanitätsverein“
22. August 1864Das rote Kreuz auf weißem Grund wird als Schutzzeichen festgelegt
1. April 1887Gründung des „Vaterländischen Frauen Vereines zu Lehe“
3. Juni 1887Gründung des „Vaterländischen Frauen Vereines zu Geestemünde“
18. November 1887Gründung des „Vaterländischer Frauenvereines zu Bremerhaven“
12. Januar 1906Gründung der „Sanitätskolonne“ Lehe
15. August 1911Gründung „Vaterländische Frauenverein“ in Bremerhaven
25. Januar 1921Gründung „Deutschen Roten Kreuz“ als Dachverband für die selbständigen deutschen Landesvereine und Landesfrauenvereine
5. August 1921Gründung "Bremer Landesverein vom Roten Kreuz e.V."
1924Gründung der kreisfreien Stadt Wesermünde aus Lehe und Geestemünde und Zusammenarbeit der Sanitätskolonnen und die Vaterländischen Frauenvereine im Kreisverband vom Roten Kreuz für den Stadtkreis Wesermünde.
9. Dezember 1937Erlass des DRK-Gesetzes
ab Dezember 1937Schrittweise Gleichschaltung und Einbindung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in das NS-Regime, enge Verflechtung mit der SS. Umwandlung des DRK vom vielschichtigen Wohlfahrtsverband zur monofunktionalen Organisation des Wehrmachtssanitätsdienstes. Das JRK wird wegen seiner internationalen Kontakte aufgelöst
1939 bis 1945Im Zweiten Weltkrieg sind über 600.000 DRK-Kräfte im Einsatz, vor allem Frauen. Tätigkeitsfelder sind u.a. die Verwundetenhilfe, die Fürsorge für Kriegsgefangene, der Luftschutz, die Betreuung von Umsiedlern und Flüchtlingen sowie die Betreuung von Soldaten
September 1945Die Alliierten lösen das DRK in seiner bisherigen Form auf
November 1945Beauftragung zum Wiederaufbau des DRK durch die Militärregierung für den Stadtkreis und den Landkreis Wesermünde
6. Dezember 1945Gründung des "Landesverein vom Roten Kreuz", Bremen
21. Januar 1947Neugründung des Landes Bremen rückwirkend zum 1. Januar 1947 und damit Eingliederung der Stadt Wesermünde in das Land Bremen
10 März 1947Umbenennung der Stadt Wesermünde in Bremerhaven
27. Juli 1947Gründung des DRK-Kreisverband Bremerhaven e.V. und Eingliederung in den „Landesverein vom Roten Kreuz“ Bremen
4. Februar 1950Neugründung des DRK in der Bundesrepublik Deutschland
23. Oktober 1952Gründung des DRK in der DDR
28. Mai 1953Gründung des DRK-Landesverband Bremen e.V.
1. Januar 1991Die sechs aus dem DRK der DDR neu gebildeten DRK-Landesverbände erklären ihren Beitritt zum DRK